Was war.

Was ist.


Sonntag, 14. Juni 2009

Sonntagspoesie

Der Marsch ins Dritte Reich

Der Führer sagt: "Jetzt kommt der letzte Winter,
nur jetzt nicht schlapp gemacht, ihr müsst marschier’n!"
Der Führer fährt voran im Zwölf-Zylinder.
Marsch, Marsch, Marsch, Marsch, ihr dürft die Fühlung nicht verlier’n!

Es ist ein langer Weg zum Dritten Reiche,
man sollt' nicht glauben, wie sich das zieht.
Es ist ein hoher Baum, die deutsche Eiche,
von der aus man den Silberstreifen sieht.

Der Führer sagt: "Nur nicht in Lumpen laufen!".
Er hat ihr schon gesagt, der Industrie:
"Wir wollen neue Uniformen kaufen,
der Hauptmann Röhm liebt uns nicht ohne die".

Es ist ein langer Weg zum Dritten Reiche,
ein bisschen Liebe macht ihn halb so schwer.
Es ist ein hoher Baum, die deutsche Eiche,
und kameradschaftlich sei der Verkehr!

Der Führer hat gesagt, er lebt noch lange,
und er wird älter als der Hindenburch.
Er kommt noch dran, da ist ihm gar nicht bange,
und drum pressiert’s ihm gar nicht, und dadurch

ist es ein langer Weg zum Dritten Reiche,
es ist unglaublich, wie sich das zieht.
Es ist ein hoher Baum, die deutsche Eiche,
von der aus man den Silberstreifen sieht.

Bertolt Brecht

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

wählte weise folgende Worte:

 
Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken &handeln! Willst du auch an der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: