Was war.

Was ist.


Dienstag, 23. März 2010

Interludium

[Einakter für 1 Darsteller und Publikum; Ort: Aula oder Audimax; Anwesende: Publikum (emeritierte Professoren nebst Gattinen, Feuilleton-Journalisten, Bienenzüchter, eine Kindergartengruppe, Bürgermeister), ein Knab' von 30 Lenzen]  


"Ähäm, räusper... "

[Gleich geht's los]


.... *raschel*


[Papier raschelt, fällt zu Boden, wird bemüht hektisch zusammengeklaubt]


"Jetzt fange ich an!"

[Publikum isst gepuffte Maiskörner, wartend bis gelangweilt]


"So!"

[längere Pause, in der der Redner mehrfach am bereitgestellten Wasserglas nippt]


"Ein Gedicht!"

[Publikum erstarrt oder geht Bier holen]


"Ich fuhr nach Reichenbach/
da drank ich Wein/
das war fein/
dann schlief ich ein/
dann fuhr ich heim.


Danke!"

[denn ausbrechenden Tumult ignorierend, verbeugt sich der Künstler und verlässt das Podium]


Fußnote: Dieses Stück, das sich in seiner Prägnanz der Emotionen eindeutig dem Stil der "Neuen Deutschen Gründlichkeit" zuordnen lässt, entstand in der sogenannten "quirk"-Phase des Autors. Tief beeindruckt durch die Beobachtung einer Hutschnur, schrieb er es in nur wenigen Monaten zwischen, sprichwörtlich, Tür und Angel nieder. Auch heute erfreut sich der gesellschaftskritische, im Grundtenor aber Optimismus ausstrahlende Einakter noch größter Beliebtheit bei Theaterkennern und kunstinteressierten Laien. Die soeben von Ihnen, liebe Leser, rezipierte Niederschrift entstammt dem "Caput fessa XXX" aus Privatbesitz. 


Kommentare:

  1. "das war fein" war gestern noch nicht drin und ohne klingt es meines unwichtigen Erachtens griffiger.

    Unter anderen Vorzeichen (siehe Blogeintrag vorher) hätte ich das hier gelobt, aber so muss ich es in der Tradition klassischer Feuilleton-Streitkultur verächtlich vom Tisch wischen und ignorieren, ein hämisches Schlachtengemälde von Rundumschlags-Buch ("Alles Lügenbären") schreiben und deinen ganzen Blog ausdrucken und öffentlich verbrennen! Und suche mir Verbündete, die dich besonders schmerzen. Mit Günther Grass schälte ich schon über dich wetternd eine Zwiebel!

    So läuft das Kulturgeschäft, tut mir leid!

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  2. ^^ ihr zwei könnt einem die Arbeit versüßen...

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  3. Und wie jeder große Autor, in der Tradition des Marquis de Sade stehend, antworte ich mit aus dem Dung tausender Würmer feinziselierten Worten:

    "Ach, leck' mich!"

    So läuft das Kulturgeschäft, tut mir leid!

    P.S.: Günther Grass läuft gerade bei mir auf einem Stahlhelm trommelnd um den Weihnachtsbaum, während ich mit Helmut Schmidt und Ernst Jünger Tee trinke und Menthol-Zigaretten paffe, Frau Hegemann. Feuilleton-Journalisten, pfff! Was haben Eunuchen und Unternehmensberater sowie Feuilletonisten gemeinsam? Sie wissen, wie es geht...

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  4. Dass gerade Sie als studierter Stammtischphilosoph die Errungenschaften des Feuilletons nicht ehren, muss mich überraschen. Denn wer wenn nicht das Feuilleton trägt die großen kulturwissenschaftlichen Debatten, die es oft icht über den Rand des Hörsaals schaffen würden, in die breite bildungsbürgerliche Gesellschaft, wenn nicht diese paar Seiten in Ihrer Tageszeitung?

    Ich nehme Ihren Wutausbruch als Wertschätzung auf, denn von der Geliebten verstoßen zu werden schmerzt nunmal umso mehr.

    Freundlichst, Ihr Matthias Mattusek

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  5. Lieber Herr Mattusek,

    denken Sie auch mal an die Kinder? Gewisse Themen gehören nicht in die Öffentlichkeit getragen. Sie gefährden die moralischen Grundfesten unserer, Ihrer Gesellschaft. Der Autor des Stückes wünscht keine Breitenwahrnehmung, wollte nur seine eigene, persönliche Sicht von seiner Seele schreiben. Das Stück soll -und darf- die Hörsäle nie verlassen. Nur dort kann es als das gewürdigt werden, was es ist: Kunst. Nicht mehr. Nicht weniger.

    Es grüßt

    Kai Diekmann

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  6. und wieder ist ein Kommentar auf seltsame Weise verschwunden

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  7. @Bernd Keine Ahnung, was da bei dir quer läuft. Weder setze ich Cookies voraus noch zensiere ich irgendwas... Seltsam... Kömmer ja mal am Freitag versuchen auszukaspern.

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  8. Ich empfehle mal browserunabhängig folgendes:

    1.) vor dem Abschicken des Kommentars den gesamten Text markieren und in die Zwischenablage kopieren, so ist er wenigstens nicht verloren

    2.) nach dem Verschwinden einfach mal zurückblättern, der Text müsste da noch im Kommentarfeld stehen und das ganze wiederholen.

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wählte weise folgende Worte:

 
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