Was war.

Was ist.


Donnerstag, 23. Juli 2009

Hessen ist...

Boah, heute bin ich ziemlich platt. Ebenso meine Füße. Meine Worthülsen anscheinend auch - mal sehen, was draus wird.

Als Erstes mal wieder ein Tipp von Forschungsreisendem zu Forschungsreisenden:
Man kann um 4 in´s Bett gehen und um 8 gern und voller Tatendrang aufstehen.
Muß man allerdings nicht.

Aber da ich ja bereits gestern die Existenz Hessens als solches in Frage stellte, sollte der heutige Tag Gewissheit bringen und ich entschied mich immerhin für eine Mischung aus Variante a und b. Und er brachte Gewissheit! Mit einer mehr als überraschenden Lösung für oben genanntes Problem!
Beginnen wir mit der Rekonstruktion meiner Forschungen:

Nach 2 heißen Schlucken des mir freundlicherweise und mittlerweile obligatorisch gereichten Salbeitees (Memo an mich: Quelle erfragen!), gings los nach Darmstadt.
Wir zäumten das Pferd also quasi von hinten auf.
[Ja, heute fliegen die Pointen wirklich tief!]

Aber es handelt sich ja um die Wissenschaftstadt Darmstadt. Vielleicht liese sich ja im Hessischen Landesmuseum etwas über die hier fehlenden, eigentlich für jede bisher von mir bereiste Region der Welt aber typischen, in der Bevölkerung verwurzelten Bräuche und Sitten (Nahrung!) erfahren.
Der erste Schock schon auf der Hinfahrt: Aus irgendeinem ominösen Grund vergaß ich gestern nach dem Bilder-Upload die Kamera auszuschalten, weswegen sie mir mit einem beleidigten "BATT" den Dienst verweigerte. Sollte hier Dokumentation verhindert werden?
Deswegen gibt´s auch keine qualitativ hochwertigen Bilder aus der ersten Tageshälfte.
(Und die vom Mobiltelefon kann ich hier nicht hochladen, da ja jedes Scheiß-Gerät eine andere USB-Buchse haben muss!!! Wer schleppt den bitte 50 Kabel mit in den Urlaub...!?!)

Darmstadt selbst zeigte sich bei unserer Ankunft in seiner ganzen schwül-feuchten Pracht. Niesel, Sonne, Regentropfen, Lichtblicke... naja, das perfekte "Jacke an.- Jacke aus."-Wetter halt. Zum Landesmuseum kinderwagenschiebend vorbei am "Langen Ludwig" gehastet, dabei den geheimen Gruß junger Eltern gelernt (Ha! Infiltriert!), um festzustellen:

Geschlossen! Wegen Umbauarbeiten! FUKK!!!

Kann man nix machen. Wir haben uns dann unter anderem den sehr schönen Herrngarten im Herzen der Stadt angeguckt, in welchem übrigens der junge Goethe splitterfasernackt rumsteht.
Immer! Bei jedem Wetter! Auf einem Podest! ÖFF-ENT-LICH!
Dieses ausgebuffte Schlitzohr! Läßt sich in Weimar als ehrwürdiger Klassiker verehren und im Westen heißt es dann: Lass´ jucken, Kumpel!
Ich war entsetzt und fasziniert - welch vielschichtige Persönlichkeit doch dieser gesamtdeutsche Dichterfürst besitzen muss...

Dann zog das Tempo merklich an: S. verfiel in einen nur Müttern gegebenen Trab, die ihr Junges zur Fütterung im Nest haben wollen, die Stadt rauschte nur so an mir vorbei (Ich bin doch Augenmensch, Mensch!), italienische Tabakwarenverkäufer honorierten mein Gesichtsfell und plötzlich war da auch noch die Luft voller Falter (;-*--). Nur ein flüchtiger Blick streifte eine Kneipe namens "Hobbit"...

Auf dem Heimweg sah ich dann übrigens mein erstes Google Street View Car live und in Farbe - abgeparkt in einer Waldwegeinfahrt, der Fahrer auf dem Dach, Linsen putzend! Yeah!

Ach ja: Das Susann-Stahnke-Standbild haben wir leider in Darmstadt nicht gesehen ;-(

Nach dem Mittag nahmen wir die Kühkopf-Knoblochsaue in Angriff: Was soll ich sagen - auf einmal ergab alles Sinn! Wie das? Erstmal lasse ich Bilder sprechen:

Und von diesen Bilder hab´ ich tausende (naja, ein paar weniger sind es dann schon...) gemacht!
Immer noch Fragen?

Hessen ist gar nicht Hessen!
Hessen ist Mittelerde!

Durch dieses Wunder an Landschaft sind wir dann ein recht großes Ringel gelatscht (ca. 3h). Gigantisch! Hier kann man Tage zubringen... Der Apfellehrpfad mit über 30 alten deutschen Apfelsorten (und teilweise Birnen und irgendwas, daß ich nach dem Kosten für Quitten halte...nee, doch nicht mehr), das Forsthaus mitten im Wald, knorrig-knarzig-vermoosten Baumresten und hohlen -stümpfen, dem sich träge hinwindenden Altrhein...und bestimmt noch 1000 anderen mysteriösen Geheimnissen der wild-romantischen Natur... Spürt man meine Begeisterung? Ich hoffe!
Hier will ich wieder hin! Ganz früh, mit Stativ und Fernauslöser sowie massig Zeit!


Das ich mit meiner Schlussfolgerung über die wahre Identität Hessens von Mittelerde richtig lag, zeigte sich dann beim Einkauf des Abendessens - auf einmal wurden auch mir, dem fremden, aber wissbegierigen Reisenden gegenüber lokale Spezereien erwähnt. Die waren zwar alle zu aufwendig bzw. zeitintensiv zuzubereiten (Staunen macht Knast! T., ich verstehe Dich!), weshalb wir auf den bewährten Grill zurückgriffen - aber immerhin!

Morgen geht´s nochmal so an den Rhein und dann besteige ich auch schon wieder das alte Eisenpferd und rolle Richtung Heimat - mit einem lachenden und einem weinenden Auge...

Sehr schöne, erlebnisreiche Woche, viel zu kurz, vieles nur mit halbem Auge gesehen und halbem Ohr gehört - hier atmet Geschichte und Landschaft in einem anderen Takt. Was am Anfang tot erschien, lebt nur seeehr viel langsamer als Goldstaub-City! Und da sind wir schon weiß Gott keine Hektiker...

Falls ich das morgen nicht sowieso schreibe: Herzlichsten Dank an S. und J. für die "Reiseleitung", Unterkunft, Verköstigung und Unterhaltung. Spitze! Und Dank auch an T. - nicht nur, aber im Besonderen für den heutigen Lachanfall im Wald: Perfektes Timing!

Mittelerde, Nurd'dhao!
Ich komme wieder.


>>L:V:X<<

Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  2. Na endlich Natur! Bäume sind meine neuen brennenden Mülltonnen. Nun sind wir resozialisiert! Wobei der Genuss menschenleeren Gestrüpps (Blumus Glockus Naturalis!) wenig "sozial" ist. Oder? Du bist doch der Sozialwissenschaftler!

    KUSS hoch hundert! :-*

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